Hamstring-Übungen für Rugby: sprinten, bremsen und Kontakt besser aufnehmen
Hamstring-Übungen für Rugby müssen zu Sprüngen, Landungen, kurzen Anläufen, schnellem Abbremsen und wiederholtem Abdruck passen. Ein paar Beinbeuger-Curls nach dem Training reichen dafür nicht. Ein sinnvoller Plan verbindet Landetechnik, Hüftkraft, exzentrische Kontrolle, einbeinige Stabilität und ruhige Nordics, die nicht direkt vor eine harte Einheit oder ein Spiel gelegt werden.
Kurz zusammengefasst
Rugby belastet die Hamstrings weniger über lange Sprints, sondern über wiederholte Sprünge, Landungen, kurze Anläufe, Ausfallschritte und schnelle Abwehrreaktionen. Eine Übersichtsarbeit zu Rugbyverletzungen zeigt, dass Sprunggelenk, Knie und Schulter häufiger im Mittelpunkt stehen, während präventives Wissen je Verletzungstyp begrenzt bleibt (Kerin et al., 2022). Deshalb sollte Hamstringtraining praktisch bleiben: Übungen wählen, die Landung, Hüftkontrolle und exzentrische Kraft verbessern, ohne die Sprintqualität zu stören.
Eine prospektive Analyse bei Elite-Rugbyspielern verband running-basierte Hamstringverletzungen zudem mit Mechanik in der späten Schwungphase, darunter Rumpfseitneigung, Hüftextensionsmoment und Knie-Power-Absorption (Kenneally-Dabrowski et al., 2019). Sprintkontrolle, Rumpfkontrolle und exzentrisches Bremsen sind deshalb echte Trainingsziele.
Nutze diesen Artikel als rugbyspezifische Ergänzung zum breiteren Leitfaden für Hamstring-Übungen. Die Reihenfolge ist bewusst einfach: erst Kontrolle, dann Kraft, dann schwerere Nordics und erst danach mehr Geschwindigkeit oder Sprint- und Kontaktumfang.
Warum Rugby die Hamstrings anders belastet
Auf dem Papier wirkt Rugby weniger hamstringlastig als Fußball oder Leichtathletik, weil maximale Sprints seltener sind. In der Praxis arbeiten die Hamstrings trotzdem viel: beim Abdruck zum Angriff oder Block, bei asymmetrischen Landungen, beim Bremsen nach dem Anlauf, in tiefer Annahmeposition und beim sofortigen Reagieren auf den nächsten Ball.
Für Rugby geht es um drei Eigenschaften:
- Kontrolle beim Landen und Weiterbewegen
- Kraft für kurze Anläufe, Split-Step und Abwehr-Ausfallschritte
- exzentrische Bremskraft beim Abdruck und beim Aufnehmen von Geschwindigkeit
Eine Meta-Analyse zur Hamstringprävention fand, dass exzentrisches Training Hamstringverletzungen reduzieren und Kraft, Faszikellänge sowie Asymmetrien verbessern kann (Rudisill et al., 2023). Für Rugby heißt das nicht, sofort schwere Nordics zu starten. Es heißt, dass exzentrische Kontrolle einen festen Platz in der Woche verdient.
Welche Rugby-Hamstring-Übungen zuerst?
Wähle zuerst Übungen, die du technisch sauber wiederholen kannst. Wenn das Knie nach innen fällt, das Becken ausweicht oder der Rücken übernimmt, ist die Variante zu schwer oder du bist zu ermüdet. Zusätzliches Hamstringtraining soll dein Sprungtraining unterstützen, nicht verdrängen.
- Glute Bridge mit ruhigem Hamstringdruck
- Hamstring Walkout
- Split-Squat-Hold mit Rumpfkontrolle
- einbeiniger Romanian Deadlift
- Sliding Leg Curl
- seitlicher Ausfallschritt oder Cossack Squat
- assistierter Nordic Hamstring Curl
- kurze Lande- und Bremsdrills, wenn die Basis gut reagiert
Diese Reihenfolge baut erst Kontrolle und Belastbarkeit auf. Danach wird die Übung länger, schwerer oder schneller.

Die 6 besten Hamstring-Übungen für Rugby
Beginne mit zwei oder drei Übungen pro Block. Mehr ist nicht automatisch besser. Entscheidend ist, dass du die Übungen regelmäßig ausführen kannst, ohne Sprintqualität oder Frische fürs Spiel zu verlieren.
1. Glute Bridge mit Hamstringdruck
Lege dich auf den Rücken, stelle die Füße etwas weiter weg als bei einer normalen Bridge und drücke die Fersen in den Boden. Spanne die Gesäßmuskeln an und hebe die Hüfte ruhig an. Halte zwei Sekunden.
2. Hamstring Walkout
Starte oben in der Bridge und wandere mit den Füßen langsam vom Körper weg. Halte die Hüfte oben, ohne den Rücken zu erzwingen. Wandere kontrolliert zurück.
3. Einbeiniger Romanian Deadlift
Diese Übung passt gut zu Rugby, weil sie Hüftkontrolle, Balance und Hamstringkraft verbindet. Das Standbein bleibt leicht gebeugt, die Bewegung kommt aus der Hüfte und das freie Bein geht nach hinten.
4. Sliding Leg Curl
Nutze Slider, Socken auf glattem Boden oder ein Tuch. Starte in einer Bridge, schiebe die Fersen langsam weg und ziehe sie kontrolliert zurück. Die exzentrische Phase ist wichtiger als Tempo. Mehr Hintergründe findest du im Leitfaden zu exzentrischen Hamstring-Übungen.
5. Seitlicher Ausfallschritt
Rugby läuft nicht nur geradeaus. Ein seitlicher Ausfallschritt trainiert Hüfte und Hamstrings in Positionen, die Abwehr, Annahme und Erholung nach einer Blocklandung ähneln.
6. Assistierter Nordic Hamstring Curl
Der Nordic Hamstring Curl ist schwer, aber sinnvoll, wenn du ihn dosierst. Ein strukturiertes exzentrisches Programm mit Nordics reduzierte bei Fußballspielern Hamstringverletzungen (Petersen et al., 2011). Das ist kein direkter Rugbybeweis, aber ein nützliches Trainingsprinzip.
Starte assistiert: Hände bereit zum Abfangen, kurzer Bewegungsweg, wenige Wiederholungen und genügend Abstand zum Spieltag. Lies zuerst die Technik zum Nordic Hamstring Curl.

Nordic Hamstring für Rugby: wann und wie schwer?
Für Rugby ist der Nordic vor allem als kontrollierter Kraftreiz außerhalb der sprunghärtesten Tage sinnvoll. Setze ihn nicht als schweren Finisher nach einer langen Sprungeinheit ein.
- Woche 1-2: 2 Sätze mit 3 assistierten Wiederholungen
- Woche 3-4: 2 Sätze mit 4-5 assistierten Wiederholungen
- Woche 5-6: 3 Sätze mit 4-5 Wiederholungen und etwas größerem Bewegungsweg
- danach: Erhalt mit 1-2 kurzen Einheiten pro Woche
Eine biomechanische Studie zeigte, dass Nordic Hamstring Exercise, einbeinige Bridge und eccentric Slider hohe Hamstringbelastungen erzeugen können, die für Prävention und Reha relevant sind (Breed et al., 2026). Behandle diese Übungen also wie echtes Training.
Nordbelt kann die Knöchelfixierung für Solo-Nordics an einem stabilen Ankerpunkt wiederholbar machen. Nutze es erst, wenn Technik, Umfang und Timing klar sind. Der How-to-Guide hilft beim sicheren Testen der Fixierung.
Hamstringtraining für Rugby in der Wochenplanung
Die passende Woche hängt von Trainingstagen, Spieltag und Belastbarkeit ab. Diese Struktur ist ein Startpunkt.
Bei 2 Rugbytrainings pro Woche
- Tag nach Spiel oder schwerem Training: Erholung, Gehen und Mobilität.
- Krafttag 1: Bridge, Romanian Deadlift und Sliding Curl.
- Leichtes Rugbytraining: kurze Aktivierung, keine schweren Nordics.
- Krafttag 2: assistierter Nordic und seitlicher Ausfallschritt mit geringem Umfang.
Bei 3 oder mehr Rugbyterminen pro Woche
- Hamstringkraft kürzer halten.
- Eine schwerere Übung pro Einheit wählen.
- Nordics mindestens 48 Stunden vor Spiel oder harter Sprungeinheit planen.
- Leichte Bridges oder Walkouts in vollen Wochen nutzen.
Ziel ist nicht, jede Woche maximal zu trainieren. Ziel sind stärkere Hamstrings, während Sprungrhythmus, Timing und Spielqualität erhalten bleiben.
Hamstringverletzungen im Rugby senken, ohne zu übertreiben
Ganz verhindern lassen sich Hamstringverletzungen nicht. Du kannst aber vermeiden, dass die Hamstrings von plötzlichem Umfang, Müdigkeit oder zu schwerer Kraftarbeit überrascht werden.
- Sprint- und Kontaktumfang nach Pause oder Verletzung schrittweise steigern
- Hamstringkraft nicht erst bei Beschwerden trainieren
- Kraft mit Landung, Hüft- und Rumpfkontrolle verbinden
- schwere Nordics nicht direkt vor dem Spieltag planen
- Krampf, Ziehen oder ungewöhnliche Steifheit am Folgetag ernst nehmen
Bei Schmerzen, frischer Zerrung oder wiederkehrenden Beschwerden ersetzt dieser Artikel keine Beurteilung durch eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten.

Häufige Fragen
Welche Hamstring-Übungen sind für Rugby am wichtigsten?
Am wichtigsten sind Übungen, die Landekontrolle, Hüftkontrolle und exzentrische Kraft verbinden: Glute Bridges, Walkouts, einbeinige Romanian Deadlifts und Sliding Leg Curls.
Passt der Nordic Hamstring Curl zu Rugby?
Ja, wenn er sauber dosiert wird. Starte assistiert, mit wenigen Wiederholungen und nicht direkt vor dem Spieltag.
Wie oft sollte ich Hamstrings neben Rugby trainieren?
Für die meisten Spieler reichen zwei kurze Einheiten pro Woche. In dichten Spielwochen ist eine leichte Erhaltungseinheit oft besser als zwei harte Einheiten.
Welche Übungen kann ich in der Wohnung machen?
Glute Bridges, Walkouts, einbeinige Romanian Deadlifts ohne Gewicht, Sliding Curls mit Socken oder Tuch und assistierte Nordics mit sicherer Knöchelfixierung.
Kann man Hamstringverletzungen im Rugby verhindern?
Nicht garantiert. Du kannst das Risiko über schrittweise Sprungbelastung, exzentrische Kraft, Landetechnik, Erholung und kluge Kraftplanung senken.